Dienstag, März 31, 2009

Notvorstand oder Auflösung des Vereins?

Immer mehr Vereine werden gegründet. Durchschnittlich gründen sich 20 - 40 Vereine jährlich in einem Gerichtsbezirk. Meist sind es Non-Profit-Vereine, die die Gemeinnützigkeit anstreben. Es werden Sportfördervereine gegründet, um die Freigrenzen der Körperschaftssteuer mehrfach zu nutzen. Aber auch in sozialen Bereichen finden sich Bürger zum ehrenamtlichen Engagement zusammen. Seit geraumer Zeit versuchen die Kommunen durch Vereinsinitiativen ihre Stadtkassen durch ehrenamtliches bürgerschaftliches Engagement zu entlasten. Trotz dieses ungebrochenen Vereinsboom in Deutschland haben immer mehr traditionelle Vereine das Problem, ehrenamtliche Helfer und vor allem Mitglieder in den Vorstand und in die Vereinsausschüsse zu gewinnen. Die jungen Mitglieder orientieren sich noch in der Berufsfindung und wollen deshalb mobil bleiben, die älteren Mitglieder sind satt und haben nach langjähriger ehrenamtlicher Tätigkeit sich eine Verschnaufpausse zumindest redlich verdient. Die Folge ist ein Ringen um die Vereinsämter. Hier muss in den Vereinen umgedacht werden. Freilich pfeift ein Hundert-Euro-Schein kein Spiel, die Mitglieder brauchen auch stets Animateure und Antreiber, von allein werden diese nur selten aktiv. Aber die Haftung und die Fehler, die rechtlich begangen werden können, schrecken doch viele ab. Ist das der Grund, dass keiner mehr ein Vereinsamt bekleiden will? Eher nicht, denn der Grund setzen die ethablierten Vereinsfunktionäre selbst. Sie lassen nicht los, vergessen zu delegieren und versäumen somit, junge Mitglieder zu motivieren, ins Amt einzusteigen. Auch jammern sie immer über das Ausmaß der Arbeit, wollen aber auch nicht zulassen, dass es andere besser machen. Aber sicherlich gibt es auch noch tausend andere Gründe und Ausreden.

Aus diesen Erkenntnissen heraus, hat der Autor dieser Veröffentlichung zahlreiche Modelle entwickelt, die das Ehrenamt entlasten und Freiräume für kreatives Handeln gibt.

Insbesondere, wenn ein Verein keine Führungsspieler mehr findet (Vorstand, Ausschussmitglieder) ist es Zeit, die Vereinskultur und die Vereinsphilosophie zu überdenken. Vielleicht sind die vielen verkrusteten Seilschaften und die herkömmliche Aufgabenverteilung Grund der Misere.

Als Lösung bietet sich zunächst das Outsourcing der Vereinsleitung an. Ein Berater (Vereinsberater ähnlich eines Unternehmensberaters) könnte zunächst einmal die Strukturen prüfen und darstellen. Danach müssten die Mitglieder sich outen, welche Motivation sie haben, am Vereinsleben und wie teilzunehmen. Danach könnte der Verein sich modernisieren und sich dadurch neu aufstellen.

Auch die Wahl eines Berufsvorstands, der konkrete Aufgaben binnen einer bestimmten Zeit gegen Vergütung übernimmt, wäre ein Ansatz, wenn gewährleistet ist, dass der Berufsvorstand auch sein Job versteht.

Erst zuletzt sollte die Mitgliederversammlung den Weg für die Bestellung eines Notvorstands durch das Vereinsregister zulassen. Wer weiß, wen man dann bekommt? Allerdings hat auch der Verein und seine Mitglieder in diesem Verfahrensstadium ein Vorschlagsrecht.

gez. Wolfgang Maurer Herrenberg