Samstag, Oktober 21, 2006

Verein setzt Hausrecht gegen Nichtmitglied durch

Gäubote Herrenberg 21.10.2006

Fußball - Vogelmann: So ist der Willkür Tür und Tor geöffnet

Die Klage von zwei Frauen aus Herrenberg gegen das ihnen gegenüber verhängte Stadionverbot wurde vom Amtsgericht Böblingen als erster Instanz abgewiesen. VfL-Vereinschef Werner Rilka ist erleichtert: "Das zeigt, dass man sich im Ehrenamt nicht alles gefallen lassen muss."

Kurze Rückblende: Ausgehend von einer Weihnachtsfeier der Herrenberger Fußball-Abteilung im Jahr 2003 kamen sich zwei aktive Frauen die eine Funktionärin im Ausschuss, die andere Nicht-Mitglied, aber dafür Mutter eines beim VfL spielenden Talentes über Kreuz. Die Privatfehde nahm solche Ausmaße an, dass besagter VfL-Funktionärin auch noch eine Freundin der Spielermutter ein Dorn im Auge war. Die Ehemänner respektive Lebensabschnittsgefährten beider Parteien gingen dazu noch mit Fäusten aufeinander los. Das Nicht-Mitglied samt ihrer Freundin, die ebenfalls nicht Mitglied ist, wurden von Vereinsseite als Wurzel allen Übels ausgemacht und Anfang Januar mit einem so genannten "Zugangsverbot" vom Besuch von Sportveranstaltungen ausgeschlossen. Dabei handelt es sich um solche Veranstaltungen, in denen die Fußball-Abteilung des VfL Herrenberg das Hausrecht (Heimspiele, Hallen-Turniere) ausübt.

Dagegen klagten die beiden Frauen und forderten in einer Verhandlung vor dem Amtsgericht Böblingen Ende September die Fußball-Abteilung des VfL, vertreten durch Werner Rilka und Anwalt Siegfried Dierberger, auf, stichhaltige Gründe für das Zugangsverbot zu benennen. Der VfLSeite gelang es vor Gericht klar zu machen, dass die Privatzwistigkeiten samt vergeblicher Schlichtungsversuche anderer VfL-Funktionäre dazu geführt haben, dass der Vereinsfrieden extrem gefährdet war.

Diesem Argument schloss sich nun der den Fall verhandelnde Zivilrichter Werner Grollig an und nahm den "eigentlichen Grund" für voll an, "dass private Streitigkeiten in dieser Form und auf Vereinsebene ausgetragen wurden". Grollig billigte dem Verein zu, dass er geeignete Maßnahmen treffen dürfe, um den Vereinsfrieden wieder herzustellen. Besonders im vorliegenden Fall gäbe es einen "weiten Ermessungsspielraum", da er ja gegenüber Nichtmitgliedern tätig werden musste. Sprich: Wären die beiden Frauen im Verein gewesen, hätte es ein internes Ausschlussverfahren vor dem Hauptausschuss des 4 000 Mitglieder umfassenden Vereins geben müssen. Grollig wörtlich im Urteil: "Dass sich der beklagte Verein in einer derartigen Situation vor sein Mitglied stellt, ist nicht zu beanstanden."

Der Anwalt der Klägerinnen, Ulrich Vogelmann aus Herrenberg, kann über diese Begründung nur den Kopf schütteln. Er meinte zum "Gäubote": "Ohne einem Gespräch mit meinen Mandanten vorgreifen zu wollen, aber so ist der Willkür zu sehr Tür und Tor geöffnet. Hier hat der Verein einfach zu wenig Souveränität walten lassen. Zunächst hätte er eine schriftliche Abmahnung gegenüber meinen Mandanten aussprechen müssen oder ein befristetes Zugangsverbot. Hier sehe ich ganz klar einen Fehlgebrauch des verhängten Stadionverbots." Vogelmann erinnerte daran, dass die Gegenseite ein Vergleichsangebot, das Zugangsrecht zumindest bis zum anstehenden Hallen-Turnier im Dezember zu befristen, rigoros abgelehnt hatte. Der Anwalt will klarer begründet haben, inwiefern der Vereinsfrieden gestört worden sei. Vogelmann: "Das kann doch nicht nur die Privatzwistigkeit sein"

Werner Rilka hofft dagegen, dass der Fall nun ausgestanden ist: "Wenn die Klage nicht abgewiesen worden wäre, wäre das doch ein Schlag ins Gesicht jedes Ehrenamtlichen gewesen." Nach dem Motto, dass Nicht-Mitglieder sogar mehr Rechte hätten als das Mitglied selbst. Dass der VfL nie konkrete Gegebenheiten nannte, hatte laut Werner Rilka gute Gründe: "Wir müssen unsere Ehrenamtlichen auch schützen. Denn wenn sie unliebsame Erfahrungen machen in ihrer Funktion als Mitglied des VfL-Fußballs, könnten sie sich ja entscheiden, gerade deswegen das Ehrenamt niederzulegen."

Rilka räumte zwar ein, dass man dem vor rund anderthalb Jahren anschwellenden Privatstreit der drei Frauen zu lange zugeschaut haben. Aber als beim HallenTurnier vergangenen Dezember spätnachts die Fäuste flogen, war ein gewisses Maß überschritten. Dass Richter Grollig partout vom Verein nicht verlangte, Grund oder Ursprung der "privaten Streitereien" benennen zu müssen, empfindet Werner Rilka zudem als Genugtuung: "Wir haben mit dem Zugangsverbot auch zum letzten Mittel gegriffen. Und das Urteil hat einfach gezeigt, dass man sich als Ehrenamtlicher nicht alles gefallen lassen muss."

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