Montag, Juli 04, 2005

Handball - Spielkonzeption für E- , D- und C-Jugend

Die Umsetzung einer einheitlichen Wettkampfstruktur für den Kinder- und Jugendhandball im Bereich des Handballbezirks Achalm – Nagold

Leichter als man denkt, wenn man das Prinzip begriffen hat.
Eine kleine Hilfe für Schiedsrichter, Betreuer und Eltern.


Altersklasse Schiedsrichtereinsatz Zeitpunkt der Umsetzung

E - Jugend von Betreuern ist umgesetzt

E - Jugend Genereller Spielbetrieb im Bezirk mit Schiedsrichtern ab Saison 2005 /
2006 geplant

D - Jugend von Schiedsrichtern mit Einteilung ab 2004 / 2005 umgesetzt

C - Jugend Im Spielbetrieb ab Bezirk, jetzige Regelung Einteilung durch
Schiedsrichtereinteiler; ab Saison 2006 / 2007 auch offensive Deckung
vom DHB geplant.


1. Verbindliche Spielweisen

1.1. Mini
Handballspiele sollen, wenn immer möglich, auf dem Querfeld im Spiel 4+1 gespielt werden.
Falls dies nicht möglich ist, wird in der Halle in Längsrichtung auf einer Spiel- fläche von 20 m x 10 m gespielt.
Tore: Minihandballtore oder Vorrichtungen zum Abhängen der normalen Tore auf 1,60 m Höhe
Wichtig: keine Einzelspiele, nur Turniere mit mehreren Mannschaften ohne Sieger und Besiegte
Freies Spiel: Das Erkämpfen des Balles steht im Mittelpunkt

1.2. E-Jugend
Es darf in der 1. Halbzeit nur mit Manndeckung gespielt werden. In der 2. Halbzeit kann weiter Manndeckung gespielt werden. Gefordert wird jedoch mindestens eine offensive Raumdeckung (1:5, 2:4, 3:3, 3:2:1). TorhüterInnen dürfen während der 1. Halbzeit nicht über die 9m-Linie hinaus.
Handballspiele sollen im Spiel 6 : 6 gespielt werden oder in einer 4+1 Runde.
Wichtig: keine Einzelspiele, nur Turniere mit mehreren Mannschaften. Freies Spiel: Das Erkämpfen des Balls steht im Mittelpunkten. Ohne Anspiel nach Torerfolg, aber Gegner muss aus 6-9 m Bereich bei Anspiel des Torwarts heraus. Hier bei Verstoß Penalty (Spieler kann von der Mittellinie aus prellend auf das Tor zulaufen und werfen, ohne dass Abwehr ihn stören darf.

1.3. D-Jugend
Es darf in der 1. Halbzeit nur mit Manndeckung gespielt werden. In der 2. Halbzeit kann weiter Manndeckung gespielt werden. Gefordert wird jedoch mindestens eine offensive Raumdeckung (1:5, 2:4, 3:3) Einzel-Manndeckung ist untersagt.
TorhüterInnen dürfen während der 1. Halbzeit nicht über die 9m-Linie hinaus.
Handballspiele werden grundsätzlich im Spiel 6 : 6 gespielt. Freies Spiel: Das Erkämpfen des Balles steht im Mittelpunkt.Spielbetrieb nach Möglichkeit im Turniersystem. Ohne Anspiel nach Torerfolg.

1.4. C-Jugend
Es soll nur mit folgenden Deckungsformationen gespielt werden: (ab 2006 /2007 ?)
Manndeckung
2-Linien-Abwehr (1:5, 2:4, 3:3)
Es sollen folgende Deckungsformationen vermieden werden:
Einzel-Manndeckung (4:0+2, 5:0+1) 6:0 Abwehr
Freies Spiel: Das Erkämpfen des Balles steht im Mittelpunkt

2. Maßnahmen bei Nichteinhaltung offensiver Spielweisen

2.0. Maßnahme: Anzeigen einer falschen Abwehrtaktik
Erkennen die Spielleiter einen Fehler in der Abwehrtaktik, zeigen sie das (auch bei wiederholtem Vergehen) durch Heben einer geballten Hand nach oben an. Sollte sich das Abwehrsystem in einem angemessenem Zeitraum (10 sec) nicht ändern ist, unter Beachtung der Progressivität, jeweils mit den folgenden Maßnahmen fortzusetzen.
2.1. Maßnahme: Information
Stellt der Spielleiter/Schiedsrichter fest, dass eine Mannschaft keine der vorgegebenen Deckungsformationen spielt, gibt er Time-out und informiert den Trainer/ Betreuer/ Mannschaftsverantwortlichen, dass er die Spielweise seiner Mannschaft in der Abwehr
ändern muss („Bitte stell deine Abwehr um.“).

2.2. Maßnahme: Verwarnung
Ist nach der Information keine Änderung des Abwehrverhaltens festzustellen, verwarnt der Spielleiter/Schiedsrichter den Trainer/Betreuer/Mannschaftsverantwortlichen nach Time-out.
Wichtig: Hinweis geben, warum die Verwarnung ausgesprochen wurde.

2.3. Maßnahme: 7m-Sanktion
Ist auch nach der Verwarnung keine Änderung des Abwehrverhaltens im nächsten Angriff festzustellen, verhängt der Spielleiter/Schiedsrichter einen 7m gegen die verteidigende Mannschaft. Bei jedem weiteren Verstoß ist wiederum auf 7m zu entscheiden (auch hier einen Hinweis auf den Grund für den 7m geben).
Anmerkungen:
Der Spielleiter/Schiedsrichter soll Trainern und Mannschaften grundsätzlich immer aus-reichend Zeit zum Reagieren lassen und eine „Bewährungszeit“ geben, also nicht sofort unterbrechen bzw. bestrafen, sondern mindestens 10 Sekunden warten, ob eine Änderung des Abwehrverhaltens erfolgt.
Entscheidend ist die Kommunikation miteinander: Der Spielleiter/Schiedsrichter soll vor dem
Spiel im Gespräch mit beiden Trainern darauf hinweisen, dass offensiv gedeckt werden muss.
Grundsätzlich soll im Sinne pädagogischer Prinzipien im Kinderhandball vorgegangen werden.
Spiele ab E-Jugend sollten generell durch zwei Schiedsrichter / Spielleiter geleitet werden.Dies müsste man überlegen.
Die Entscheidung über Fehler in der Abwehrspielweise sollte der jeweilige Torschiedsrichter / - spielleiter treffen.
Generell sollte auch für Spiele ab E-Jugend die Möglichkeit für ein Team-Time-Out pro Halbzeit eingeräumt werden
Empfehlungen für Überzahl- bzw. Unterzahlsituationen
Grundsätzlich ergibt sich die Frage nach der Abwehrspielweise in solchen Situationen, in denen eine Mannschaft aufgrund einer Hinausstellung in Unterzahl verteidigen muss. Hierzu gelten folgende kind- bzw. jugendspezifischen Regeländerungen:
a) Persönliche Strafen bis einschließlich D-Jugend
Aus pädagogischen Gründen sollten sich im Kinderhandball Zeitstrafen ausschließlich gegen den betreffenden Einzelspieler und nicht als „Kollektivstrafe“ gegen die Mannschaft richten. Dies bedeutet, dass der fehlbare Spieler für 2 Minuten nicht am Spiel teilnehmen, die Mannschaft sich jedoch vervollständigen darf. Damit wird durchgängig in Gleichzahl gespielt.
Generell sollten Zeitstrafen im Kinderhandball nur in Ausnahmefällen gegeben werden. Der Spielleiter/Schiedsrichter sollte dem Spieler in solchen Fällen immer erklären, was er falsch gemacht hat (Rückmeldung). Pädagogische Verantwortung übernehmen.

b) Aussetzen empfohlener Spielweisen in Überzahl-/Unterzahlsituationen in der
C-Jugend
In der C-Jugend wird für die Zeit von Hinausstellungen die empfohlene Spielweise einer offensiven 2-Linien-Abwehr aufgehoben. Die in Unterzahl verteidigende Mannschaft kann jetzt beliebig verteidigen. Mit Wiederherstellung der Gleichzahl muss jedoch auch wieder eine offensive Abwehrformation aufgenommen werden.
c) Gesonderte Bestimmungen
Tritt eine Mannschaft nicht mit der erlaubten Anzahl von Spielern (14) an (z.B. nur mit 7 oder 8) und ist bei Hinausstellungen die Zahl der Spieler, die die Mannschaft ergänzen können (wieder auffüllen) „aufgebraucht“, da die sich auf der Auswechselbank befindlichen Spieler selbst eine Hinausstellung „absitzen“, muss die fehlbare Mannschaft trotz Unterzahl weiter Manndeckung spielen.
Erhält ein Trainer in der ersten Halbzeit (während der Manndeckung) eine 2-min-Strafe, gibt es einen 7m gegen seine Mannschaft. Gleich mit welchem Ergebnis der 7m ausgeht, erfolgt danach immer Anwurf an der Mittellinie gegen die Mannschaft des fehlbaren Trainers.

Pädagogische Prinzipien
Grundsätzlich sollte im Sinne pädagogischer Prinzipien im Kinderhandball eine 7m-Sanktion möglichst vermieden werden. Deshalb sollten gerade in der Anfangsphase bereits vor dem Spiel die Spielweisen unter den betreffenden Trainern/Betreuern und – sofern neutrale Schiedsrichter angesetzt werden – dem Schiedsrichter abgeklärt werden.
Bei Ausschluss eines Spielers, was in diesen Altersklassen eigentlich nicht vorkommen dürfte, verringert sich die Zahl der Spieler auf der Spielfläche und die Abwehrvorgaben werden nicht aufgehoben.

3. Beobachtungskriterien

3.1. Beobachtungskriterien für das Spielen in der Manndeckung
- Grundaufstellung mindestens in der eigenen Spielhälfte außerhalb der Nahwurfzone (9m-
Linie)
- Grundsätzlich können verschiedene Varianten der Manndeckung gespielt werden:
- Manndeckung auf ganzem Feld
- Manndeckung ab Mittellinie
- Manndeckung außerhalb 9m
- Angreifer, die in die Nahwurfzone laufen, werden begleitet, dann klare Zuordnung..
- Klare Zuordnung: Ein Verteidiger gegen einen Angreifer (= Spielerpaare: ein Angreifer - ein Verteidiger)
- ein Helfen durch einen anderen Abwehrspieler (z.B. ein Abwehrspieler hat einen Zweikampf verloren und ein anderer Abwehrspieler attackiert den ballbesitzenden
Angriffsspieler) ist gestattet
- ebenfalls gestattet ist eine „sinkende Manndeckung“ d.h. kein Abwehrspieler verteidigt hinter dem Ball, sondern alle Abwehrspieler sinken mindestens auf Ballhöhe zurück
- bei Freiwurfausführung an der 9m-Linie dürfen sich die Verteidiger zum Torraum zurück ziehen, um den 3m-Abstand einzuhalten; nach Freiwurfausführung muss wieder auf offensive Deckung umgestellt werden

3.2. Beobachtungskriterien für offensive Raumdeckungen
- Grundsätzlich muss offensiv verteidigt werden: offensive Raumdeckung in Form einer 2-Linien-Abwehr.
- damit ist eine 6:0-Abwehr, in der alle sechs Verteidiger in der Breite auf einer Linie (= 1-Linien-Abwehr) mit Ausgangspositionen in der Nahwurfzone (= Raum zwischen 6m und 9m) agieren, verboten. Gleiches gilt für die 5:1-Abwehr, in der nur ein
Abwehrspieler offensiv agiert.
Zentrales Beobachtungskriterium ist hier das Verhalten der Verteidiger im Raum: Eine Grundaufstellung aller Verteidiger ausschließlich in einer Linie innerhalb der Nahwurfzone ist untersagt! Prinzipiell muss der jeweils ballführende Spieler im
Rückraum offensiv, d.h. außerhalb der Freiwurflinie, von einem Abwehrspieler unter Druck gesetzt werden.
- 2-Linien-Abwehr:
In der Grundaufstellung agieren je nach gewählter Abwehrformation einige Verteidiger offensiv vor der Freiwurflinie (= 2. Linie) und die anderen innerhalb der Nahwurfzone (= 1. Linie) Beispiele für 2-Linien-Abwehrformationen: 1:5, 2:4, 3:3
- Keine Einzelmanndeckungen (= enge Deckung nur eines Angreifers oder zweier Angreifer, während alle anderen Verteidiger im Raum zwischen der Torraum- und Freiwurflinie agieren):
Um defensive Spielweisen mit manndeckenden Verteidigern zu verhindern, dürfen keine Einzelmanndeckungen (5:0+1 / 4:0+2) gespielt werden.

Dieser Beitrag entstand aus zahlreichen Gesprächen, eigenen Wahrnehmungen als Trainer und Schiedsrichter und aus der Auswertung der derzeitigen Literatur.

gez. Wolfgang Maurer
Vertreter der Jugend
Bezirk Achalm-Nagold