Freitag, Juni 03, 2005

VfL Pfullingen weiter erstklassig?

Mein Kommentar zu den Lizenzentzügen in der Handball-Bundesliga


Ob sich der VfL Pfullingen schon freuen kann, ist für mich mehr als fraglich. Jedenfalls ist dies bisher aus den Pressemitteilungen nicht sicher hervorgegangen. Genau so unsicher ist aber auch, ob die Gerichte den geouteten Vereinen ihre Lizenzen zurückgeben.

Nach den Statuten des Deutschen Handballbunds ist der eine oder andere Lizenzentzug möglicherweise rechtens. Dies werden letztendlich – siehe Bericht vom 30. 5. 2005 – die ordentlichen Gerichte zeigen (oder auch nicht).

Der Knackpunkt dürfte jedoch sein, ob letztendlich ein Verband überhaupt als Organ entscheiden kann (und aufgrund welcher Unterlagen), ob ein Verein bestimmte wirtschaftliche Bedingungen erfüllt oder nicht. Und vor allem stellt sich die Frage, ob diese Bedingungen tatsächlich Anzeichen einer Pleite oder Misswirtschaft erkennen lassen.Hat der DHB die Fachmänner in seinen Gremien, die eine rechtssichere Entscheidung herbeiführen können. Davon muss man zunächst bei einem Verband ausgehen! Wurden jedoch auch alle Unterlagen vollständig eingereicht. Hier ist man zunächst auf die Ehrlichkeit und Seriosität der Vereine angewiesen. Wenn es ums Überleben geht, werden auch hier – ohne irgend einem Verein etwas unterstellen zu wollen – subjektive Wahrheiten Motiv für die Vorlage-bereitschaft sein. Ist der Prüfungsmaßstab überhaupt tauglich, wirtschaftliche Gefahren, die sich erst zukünftig auswirken, zu erkennen. Wäre der Schaden wirklich so groß, wenn in der laufenden Runde ein Verein aus wirtschaftlichen Gründen ausscheiden muss? Für den Verein wäre dies sowieso ein Image- und vor allem ein finanzieller Verlust, aber welcher Verein plant und will das schon? Für die Liga wäre dies wohl kaum eine Beeinträchtigung, außer dass man die Tabelle bereinigen müsste und der Spielplan gestrafft wird. Auch die Aussage des Herrn Jacobsen zeigt, dass es hier auch um andere Beurteilungsmaßstäbe geht. Wenn die Unterlagen geprüft sind, so sind die Ergebnisse ohne schuldhaftes Verzögern zu veröffentlichen, auch wenn der letzte Spieltag der laufenden Runde bevorsteht. Alles andere wäre ein Verschleppen und würde evt. auch Gläubigerschutzinteressen und insbesondere die Interessen der geschützten Profispieler, die davon ihren Lebensunterhalt bestreiten, gefährden. Je früher die Tendenzen bekannt sind, desto eher können die Spieler der betroffenen Vereine sich nach anderen Arbeitgebern umsehen. Und hier beginnt die Problematik.
In der freien Wirtschaft gibt es die Insolvenzordnung, die auch für die Vereine gilt. In der Krise können sämtliche Rechtsgeschäfte angefochten werden, die in bestimmten Zeiträumen vor der Insolvenz gelaufen sind; also möglicherweise auch die Lizenzanträge. In einem Fall der Insolvenz in der laufenden Runde könnte der Insolvenzverwalter auch diese Rechtshandlung anfechten, wenn die Voraussetzungen gegeben sind. Ist dann die Lizenzerteilung überhaupt noch ein taugliches Mittel, eine Zertifizierung zu sein? Greift man in einer freien Marktwirtschaft nicht viel zu sehr in die bestehenden Eigentums- und Wettbewerbsverhältnisse; insbesondere in die freie Marktwirtschaft, ein? Was will Deutschland noch alles bürokratisch mit viel Verwaltungsaufwand und Missbrauchsgefahren regeln. Die Verbände sollten sich aus den staatlichen Aufgaben m. E. heraushalten und sich auf die Organisation ihres Sports beschränken. Ich frage mich deshalb, ob ein Lizenzverfahren das wirklich bringt, was sich die Funktionäre erhoffen? Was halten Sie von diesen Thesen?

Ich würde mich freuen, wenn ich zu diesem Thema zahlreiche Reaktionen erfahren kann. Nutzen Sie hierzu die Möglichkeit der Abgabe von Kommentaren zu diesem Thema.

gez. Rechtsanwalt Wolfgang Maurer