Freitag, Juni 10, 2005

Adidas Deal in den 90ern wird neu aufgerollt.

Berufungsgericht prüft dubiosen Besitzerwechsel in den 90ern. Tapie fordert Unsummen!

Der dubiose Besitzerwechsel beim Sportartikelhersteller Adidas vor zwölf Jahren wird seit Mittwoch vor dem Pariser Berufungsgericht aufgerollt. Die Richter berieten über den Antrag des früheren Geschäftsmanns und zeitweiligen französischen Spitzenpolitikers Bernard Tapie auf 990 Millionen Euro Entschädigung vom französischen Staat. Tapie wirft der einstigen Staatsbank Crédit Lyonnais (CL) vor, ihn beim Weiterverkauf von Adidas in den 90er Jahren geprellt zu haben. 1996 war die Bank vom Pariser Handelsgericht verurteilt worden, Tapie eine Rückstellung von umgerechnet 90 Millionen Euro zu zahlen. Dieser Spruch war 1999 von Berufungsrichtern gekippt worden.
Tapie hatte bei Adidas 1990 für 470 Millionen Mark die Mehrheit übernommen. 1993 veräußerte er das Unternehmen mit Hilfe des Crédit Lyonnais wieder. Seinen Angaben zufolge übernahm die Großbank Adidas zunächst für umgerechnet 318 Millionen Euro selbst, wusste dabei aber bereits, dass sie Monate später dafür beim Weiterverkauf an den französischen Industriellen Robert-Louis Dreyfus das Doppelte kassieren konnte.
Tapie erschien am Mittwoch nicht selbst vor Gericht. Im Rundfunksender France Inter begründete der 62-jährige dies am Morgen damit, dass er Fieber habe. Es wurde damit gerechnet, dass das Gericht die Hauptverhandlung ohne Tapie abschließen und die Urteilsverkündung für einen späteren Termin in Aussicht stellen würde.
Im April war die letzte Frist für eine gütliche Einigung zwischen Tapie und dem 1996 eingerichteten Konsortium CDR verstrichen, das nach der CL-Privatisierung für die Abwicklung der vorherigen Geschäfte zuständig ist. Tapie argumentiert, er sei durch das Vorgehen der damaligen Staatsbank wirtschaftlich "ruiniert" worden. "Ich will nicht, dass hundert Prozent der Franzosen mich für einen Betrüger und einen schlechten Geschäftsmann halten", sagte er im Vorfeld des Prozesses. CDR hatte zuletzt vorgeschlagen, Tapie hundert Millionen Euro Schulden zu erlassen.
Der Adidas-Besitzerwechsel wurde 1994 von einem Untersuchungsausschuss des französischen Parlaments aufgerollt. Damals hatte der frühere CL-Chef Jean Peyrelevade Tapies Argumente zurückgewiesen und betont, der Geschäftsmann habe Adidas nur dank der Kredite seines Instituts erwerben können. Im November 2004 hatte das Berufungsgericht erklärt, die Konfliktparteien sollten eine gütliche Einigung anstreben. Nach Informationen der Tageszeitung "Le Monde" stuften Experten die Transaktionen in vertraulichen Berichten für das französische Finanzministerium als "undurchsichtig" ein und stellten fest, für den Staat gebe es ein "finanzielles Risiko".
Tapie ist eine schillernde Persönlichkeit. Unter dem damaligen sozialistischen Präsidenten François Mitterrand war er 1992 kurzfristig Minister für Städtebau. Nach zahlreichen wirtschaftlichen Fehlschlägen wurde er 1994 unter Zwangsaufsicht der Steuerbehörden gesetzt. Weil er für den südfranzösischen Traditions-Club Olympique Marseille den Sieg bei einem Erstliga-Fußballspiel durch Schmiergelder erkauft hatte, saß er gut fünf Monate im Pariser Santé-Gefängnis ein. Zuletzt betätigte sich der Ex-Manager als Schauspieler.
8. Juni 2005 - 13.23 Uhr
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